On May 11th, the food-delivery app Foodora stopped operations in Canada. They gave their courier employees, whom they consider to be “independent contractors,” two weeks’ notice and no severance. Two months prior, a court recognized Foodora Canada riders as employees. Foodster United, a campaign by Foodora riders in Montreal and Toronto made this possible, paving the way for paid sick leave, unionization and collective bargaining.

Today on June 8th 2020, activists from Berlin Tech Workers Coalition (TWC Berlin) protested on the doorstep Delivery Hero SE’s headquarters, the parent company of Foodora Canada. 

“We are here today to protest against the ongoing practice of Delivery Hero to deny their couriers the status of employees, the right to unionize and collective bargaining. By ceasing operations in Canada at this point, Delivery Hero fails to protect their workers in the middle of a global pandemic and economic crisis. We stand in solidarity with Foodsters United and demand that Delivery Hero provide their employees with proper support and severance pay to mitigate the sudden loss of income”, said TWC Berlin. 

Group photo in front of Delivery Hero headquarters, wearing masks and holding signs

The practice of classifying couriers as independent contractors is a common theme in the food delivery platforms and the gig economy in general, allowing companies to offload workplace risk, equipment costs, and social and health insurance to the workers. 
In an open letter to Delivery Hero CEO Niklas Östberg, Foodsters condemns the company’s decision to pull out of Canada just before announcing a near doubling in revenue year over year, including a ninety-two percent increase in revenues in the first quarter of 2020. “We hold Delivery Hero ultimately responsible for the harm that is being done to food delivery workers in Canada, and around the world where you operate and apply an approach to doing business that cares only for the expansion of market share,” states Foodsters Vice-President Jean-Philippe Grenier. 
The Berlin Tech Workers Coalition is a grassroots organization that empowers tech workers to build collective power and get involved in campaigns that make a positive impact on our society.  

Press

press@techworkersberlin.com 

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Berliner Tech Workers Coalition fordert von Delivery Hero Abfindungen für entlassene Kurriere in Kanada

  Am 11. Mai beendete der Essenslieferdienst Foodora seinen Geschäftsbetrieb in Kanada. Den beschäftigten Fahrradkurrieren (“Rider”), die von Foodora Kanada als unabhängige Selbständige eingestuft werden, wurde nach der zweiwöchigen Kündigungsfrist keinerlei Abfindung gewährt. Dieser abrupte Schritt von Foodora Kanada geschah nur zwei Monate nachdem die gewerkschaftliche Basisbewegung Foodsters United einen Rechtsstreit für sich entscheiden konnte. Darin hatte das Gericht entschieden, dass Foodora die Rider als “abhängige Auftragnehmer” klassifizieren muss -eine Beschäftigungskategorie in Kanada zwischen Angestellten und Selbständigen, die es erlaubt, Gewerkschaften zu bilden und Tarifverträge auszuhandeln.    Am heutigen Montag protestierte die Tech Workers Coalition Berlin (TWC Berlin) zusammen mit Fahrradkurrieren verschiedener Berliner Firmen vor der Konzernzentrale von Delivery Hero SE, der Muttergesellschaft von Foodora Kanada.   “Wir sind heute hier und protestieren gegen die fortlaufende Praxis von Delivery Hero, Fahrradkurrieren den Status als Angestellte zu verweigern, gewerkschaftliche Organisation zu unterdrücken und sich gegen die Aushandlung von Tarifverträgen zu stemmen. Mit der Entscheidung, zum jetzigen Zeitpunkt den Geschäftsbetrieb in Kanada einzustellen, versagt Delivery Hero komplett, Mitarbeiter*innen inmitten einer globalen Pandemie und Wirtschaftkrise zu schützen. Wir stehen solidarisch mit Foodsters United und fordern von Delivery Hero die Unterstützung ihrer Rider mit angemessenen Abfindungen, um den plötzlichen Verdienstausfall auszugleichen”, erklärt TWC Berlin.

Die Beschäftigung von Kurrieren als unabhängige Selbständige ist eine gängige Praxis von App-basierten Essenslieferdiensten und anderen Firmen der “Gig Economy”. Dies erlaubt die Übertragung von Arbeitsplatzrisiken, Ausrüstungsbeschaffung- und wartung, sowie Sozial- und Krankenversicherungsbeiträgen auf die Arbeiter*innen.

In einem offenen Brief an Delivery Hero CEO Niklas Östberg verurteilen Foodsters United die Entscheidung das kanadische Geschäft einzustellen, während wenig später fast eine Verdopplung des Jahresumsatzes verkündet wurde. Allein im ersten Quartal 2020 erzielte Delivery Hero eine Umsatzsteigerung von 92%. “Wir sehen am Ende Delivery Hero in der Verantwortung für das Leid von Essensekurrieren in Kanada und vielen weiteren Ländern. Das Geschäftsmodell von Delivery Hero setzt ausschließlich auf die Ausweitung von Marktanteilen,” so Jean-Philippe Grenier, Vizepräsident von Foodsters United.

Die Berlin Tech Workers Coalition ist eine Bewegung von Arbeiter*innen im Technologiebereich, die für kollektive Organisation eintritt und Kampagnen zur kritischen Auseinandersetzung mit den Auswirkungen von Digitalisierung und Technologiefirmen auf unsere Gesellschaft unterstützt.

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